Die WHO-Daten für den Zeitraum 2022–2024 zeigen, dass die offiziell gemeldeten Todesfälle durch Tollwut beim Menschen weiterhin weit unter den Schätzungen aus Modellrechnungen liegen, was auf eine erhebliche Untererfassung weltweit hindeutet. Diese Diskrepanz ist wahrscheinlich auf eine unzureichende Überwachung, Fehldiagnosen, begrenzte Meldekapazitäten und eine mangelhafte sektorübergreifende Koordination zurückzuführen. Die WHO-Region Afrika verzeichnet die höchste Zahl an Todesfällen durch Tollwut beim Menschen, während aktuelle Modellrechnungen darauf hindeuten, dass in Afrika auf jeden gemeldeten Fall etwa 300 Tollwutfälle unentdeckt bleiben könnten.
In den meisten Ländern herrscht ein anhaltender Mangel an Tollwut-Immunglobulin (RIG), in einigen ist es überhaupt nicht verfügbar. Eine Umfrage in 20 Ländern zeigte, dass nur fünf Länder über zugelassene oder verfügbare RIG-Produkte verfügten – und selbst dort war die Versorgung häufig unregelmässig. Mehrere Länder berichteten von jahrelangen Lieferengpässen oder einer fehlenden lokalen Verfügbarkeit. Auch monoklonale Tollwut-Antikörper, die eine Alternative zu RIG darstellen, werden bislang kaum eingesetzt; lediglich Nigeria und Togo gaben ihre Verwendung an.
Der Kontakt mit potenziell tollwütigen Tieren ist häufig, insbesondere auf Reisen. Tollwut kann verhindert werden!
Vorbeugung:
- Vermeiden Sie generell den Kontakt mit Tieren und füttern Sie diese nicht!
- Aufgrund des weltweiten Mangels an Tollwut-Immunglobulinen – die für nicht geimpfte Personen nach einem möglichen Kontakt mit Tollwut entscheidend sind – empfiehlt das Schweizerische Expertenkomitee für Reisemedizin einen grosszügigeren Ansatz bei der Empfehlung einer Tollwutimpfung vor Reisen. Eine Tollwutimpfung (Präxepositionsprophylaxe = 2 Dosen vor Reisen) sollten alle Reisende als eine einmalige Investition im Leben betrachten!
Verhalten nach Kontakt: Nach einem Tierbiss/Kratzer: Waschen Sie die Wunde sofort 15 Minuten lang mit Wasser und Seife, desinfizieren Sie sie anschliessend und suchen Sie in jedem Fall so schnell wie möglich eine medizinische Einrichtung auf, um sich impfen zu lassen!
