Auf der 44. Sitzung am 14. Januar 2025 traf sich der Notfallausschuss der WHO, um die aktuelle Situation der Kinderlähmung (Polio) weltweit zu bewerten. Dabei wurde geprüft, wie sich das Wildpoliovirus (WPV1) und vom Impfvirus abgeleitete Varianten (cVDPV) weltweit verbreiten. Ziel der internationalen Gesundheitsbehörden ist es, die Übertragung des wilden Poliovirus bis 2026 zu stoppen, Ausbrüche der impfstoff-abgeleiteten Variante bis 2028 zu beenden.
Aktuelle Daten zeigen, wie sich das Poliovirus derzeit weltweit verbreitet und wo neue Nachweise gemeldet wurden:
Wildpoliovirus (WPV1):
- Seit dem 1. Oktober 2025 wurden 9 neue Fälle des Wildpoliovirus (WPV1) gemeldet, 5 in Afghanistan und 4 in Pakistan. Insgesamt gab es 2025 bisher 40 Fälle in diesen Ländern.
Auch in Umweltproben wurde das Virus gefunden, unter anderem einmal in Deutschland. In Hamburg bestätigte die globale Polio-Organisation im November 2025 den Nachweis des Virus, das genetisch mit einem Fall aus Afghanistan im August 2025 zusammenhängt. Weitere Proben nach Mitte Oktober zeigten kein Virus mehr.
Zirkulierendes impfstoffabgeleitetes Poliovirus (cVDPV):
- Im Jahr 2025 wurden insgesamt 192 Fälle von cVDPV2, 7 Fälle von cVDPV3 und 3 Fälle von cVDPV1 gemeldet.
- Seit der letzten Sitzung des Notfallausschusses im Oktober 2025 gibt es neue Ausbrüche von cVDPV1 in Laos, während in Algerien, Dschibuti, der Demokratischen Republik Kongo und Israel die Ausbrüche weiterhin andauern. Neue cVDPV2-Ausbrüche wurden in Namibia festgestellt, und in 25 weiteren Ländern dauern Ausbrüche an. Auch die cVDPV3-Ausbrüche in Kamerun, Tschad und Guinea sind weiterhin aktiv.
Der Ausschuss kam einstimmig zu dem Schluss, dass das Risiko einer internationalen Ausbreitung des Poliovirus weiterhin eine gesundheitliche Notlage von internationaler Bedeutung (PHEIC) darstellt, und empfahl, die vorläufigen Empfehlungen um weitere drei Monate zu verlängern.
Nach einer gründlichen Überprüfung der epidemiologischen Lage und der Massnahmen kam der Ausschuss ebenfalls einstimmig zu dem Ergebnis, dass dieses Ereignis keine pandemische Notlage darstellt.
